Ratgeber Depressionen

Informationen und Tipps zu Depressionen

Unterstützung durch Angehörige

Freunde und Verwandte fühlen sich häufig überfordert im Umgang mit dem Depressiven. Hilflosigkeit und Unsicherheit machen sich verstärkt im Umfeld breit. Oft fühlen sich Angehörige auch als eine Belastung für Kranke, die vermieden werden soll. Und auch die Beleidigungen, Schmerz und Trauer sowie auch empfundene Einsamkeit des Depressiven verunsichern Angehörige. Oft ist es sogar der Fall, dass sowohl Freunde als auch Angehörige überhaupt nichts von der Erkrankung wissen.

Auch die Aussage, dass Depressionen ansteckend wirken können, ist verbreitet. Tatsache ist, dass ein Mensch im Umgang mit einem Depressiven nicht mit dieser Erkrankung "infiziert" wird. Der Hintergrund dieser Aussage liegt darin, dass auch Angehörige im Umgang mit dem Depressiven unterschiedliche Gefühle entwickeln, die als unangenehm empfunden werden. So können Wut und Angst, aber auch Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit oder Müdigkeit und innere Leere beim Verwandten auftauchen. Wenn Verdachtsmomente aufkommen, dass ein Verwandter oder Freund an Depressionen erkrankt ist, sollten vorab einige wichtige Fragen abgeklärt werden. Folgende Fragen sollten sie sich ehrlich beantworten:

  • Hat der Verwandte oder Freund seine Gefühle zu Ihnen in Richtung Ablehnung, weniger Liebe oder gar abweisendem Verhalten verändert?
  • Haben Sie selbst in der letzten Zeit ein geringeres Bedürfnis nach Kontakt mit dem Angehörigen oder Freund?
  • Fühlen Sie sich bei Hilfsangeboten Ihrerseits und einer Ablehnung des Freundes oder Verwandten enttäuscht oder sogar verärgert?
  • Erfährt der Angehörige oder Freund in der letzten Zeit Ihre erhöhte Aufmerksamkeit, die dann zulasten anderer Familienmitglieder oder Freunde geht?
  • Fühlen Sie sich in letzter Zeit häufiger niedergeschlagen oder sogar wirklich leer oder gar richtiggehend ausgebrannt?
  • Sind in letzter Zeit häufiger Streitsituationen zu verzeichnen?
  • Sind Sie in letzter Zeit insgesamt ängstlicher als Sie das zuvor waren?
  • Fühlen Sie selbst sich in letzter Zeit eher alleingelassen und manchmal sogar einsam?
  • Greifen Sie in letzter Zeit häufiger zu Alkohol oder Medikamenten, die beruhigende Wirkung ausüben sollen?
  • Sind Sie in letzter Zeit so eingespannt, dass sowohl Freizeit als auch schlimmstenfalls die Arbeit hierunter leiden?

Wenn Sie mehrere dieser Fragen mit einem eindeutigen "Ja" beantworten können, sollten Sie davon ausgehen, dass Ihr Verwandter oder Freund tatsächlich an einer Depression erkrankt ist.

Ratschläge von betroffenen Angehörigen

Viele Fragen tauchen bei Angehörigen und Freunden im Zusammenhang mit dem Depressiven auf. So fragen sich die meisten dann, was sie selbst tun können und ob die soziale Beziehung zum Erkrankten aufrechterhalten werden sollte. Und die wichtigste Frage: Was tue ich, wenn der Betroffene Selbstmordgedanken ausspricht? In allen Fällen sollte umgehend und schnell fachliche Unterstützung eingeholt werden.

Ein an Depressionen Erkrankter vollzieht Wesensveränderungen, die für Angehörige und Freunde nicht nachvollziehbar sind. Die Depression verändert den Menschen und dessen Seele nimmt eine teilweise sehr negative und aussichtslose Haltung ein. Ein Erkrankter entwickelt darüber hinaus oftmals ein extrem großes Schuldgefühl und sieht sich selbst als Person nicht mehr als liebenswert.

Wenn Sie feststellen, dass der Betroffene Beeinträchtigungen seines Alltags zu verzeichnen hat oder aber Schlaf- sowie Appetitstörungen aufweist, ist der Rat angebracht, dass der Erkrankte sich an einen Arzt wenden soll. Sie als Angehöriger oder Freund können die Depressionen des Erkrankten nicht im Alleingang heilen und die Erkrankung wird zudem in ihren Auswirkungen nicht selten völlig unterschätzt. Die Depression ist eine Erkrankung und wie jede andere schwerwiegende Erkrankung gehört auch sie in die Hände eines Mediziners.

Im Umgang mit dem Erkrankten sollten Sie unbedingt auf Floskeln jeglicher Art verzichten. Gerade Angehörige und Freunde schätzen den Grad der Erkrankung des Betroffenen oftmals völlig falsch ein und so sind es dann sehr gut gemeinte, aber vom Betroffenen als sehr negativ empfundene Floskeln, die ausgesprochen werden. Diese Aussagen reichen weit und so sind Aussagen wie

  • Jeder hat mal einen schlechten Tag.
  • Halt die Ohren steif, das wird wieder besser.
  • Nimm doch einfach mal eine Auszeit, mach Urlaub!
  • Aber sieh doch mal - eigentlich hast du es doch gut.
  • Jetzt beiß mal die Zähne zusammen.
  • Vielleicht benötigst du einfach mal etwas Ablenkung.

gutgemeinte Ratschläge, die aber einen Betroffenen nicht mehr erreichen. Schlimmer noch - der Erkrankte fühlt sich häufig noch schwächer, denn er sieht sich als Versager, der einfache Ratschläge nicht umsetzen kann. Durch diese Einschätzung setzt sich im Kopf des Erkrankten noch mehr das überwiegend negative Gefühl sich selbst gegenüber fest. Floskeln dieser oder ähnlicher Art gilt es also im Zusammenhang mit Depressiven absolut zu vermeiden. Echte Hilfsangebote sind dagegen auch für den Betroffenen sinnvoll - zumal er sich dann auch in seiner negativen Stimmung angenommen und ernst genommen fühlt.

Schaffen Sie sich als Angehöriger oder Freund eine gute Informationsbasis

Gut informierte Angehörige und Freunde sind frei von falschen Erwartungen an die Krankheit und auch an den Betroffenen. So versteht der Angehörige dann auch, dass die geäußerten Aggressionen oder auch die zunehmende Zurückhaltung des Betroffenen nicht gleichzusetzen sind mit mangelnder Sympathie oder gar Liebe gegenüber seiner Umgebung.

Wichtig zu wissen: Die Krankheit ist heilbar und der Betroffene wird nach der Heilung wieder charakterlich so auftreten wie er vor der Erkrankung gekannt wurde. Motivation Ihrerseits gegenüber dem Betroffenen ist wichtig und fast die einzige Hilfe, die Sie in der Heilungsphase der Depression anbieten können. Sie sollten Hilfestellung geben, indem Sie an die Medikamenteneinnahme erinnern und auch auf anstehende Arzttermine hinweisen. Dabei sollten Sie aber nicht das Gefühl der Druckausübung vermitteln, sondern eher als motivierende Stütze mit Glauben an die Heilung auftreten.

Auch Sie als Angehöriger haben Gefühle - bekennen Sie sich dazu

Angehörige und Freunde leiden mit unter der Erkrankung und haben oftmals auch Empfindungen wie Trauer, Wut, Frust oder Ärger. Akzeptieren Sie auch bei sich diese Gefühle, ohne aber dem Betroffenen Schuldgefühle zu vermitteln. Andere, gesunde Freunde sind hier eine Stütze für die Aufarbeitung von Gefühlen. Auch Angehörigengruppen können wertvolle Stützen darstellen. Neben Verständnis werden hier auch wertvolle Tipps im Umgang mit der Erkrankung vermittelt.

Holen Sie Hilfe für sich

Die menschliche Belastbarkeit ist begrenzt und gerade die Familie und Freunde von Erkrankten erfahren dies schnell. Suchen Sie sich praktische Hilfen wie eine Kinderbetreuung und Einkaufshilfen, um den Alltag einfacher zu gestalten. Wichtig ist auch, dass Sie als Angehöriger für sich selbst Freiräume gewinnen, die nicht durch die Krankheit geprägt sind. Führen Sie Hobbys und sonstige Aktivitäten weiter, um als Angehöriger nicht selbst von Depressionen eingeholt zu werden.

Der Erkrankte darf nicht gestresst werden

Motivation für den Erkrankten ist wichtig - aber eine Überforderung kann er in seinem kranken Zustand nicht gebrauchen. So könnte wieder neuer Frust entstehen. Der Erkrankte ist derzeit für die Erfüllung Ihrer Bedürfnisse nicht offen. Gerade in einer Partnerschaft ist dieser Aspekt besonders wichtig. Sexualität spielt für Erkrankte praktisch keine Rolle mehr und eine Einforderung dieser überfordert den Kranken und birgt Krisenpotential für beide Partner.

Weihen Sie Kinder in die Erkrankung ein

Erklären Sie ihnen in einfachen Worten die Erkrankung und dass der Betroffene nach der Heilung wieder präsent ist. Entlasten Sie den Betroffenen in der Erkrankungsphase von Aufgaben wie Spielen oder Hausaufgaben.

Nehmen Sie Selbstmorddrohungen ernst!

Selbstmorddrohungen des Erkrankten verunsichern dessen Angehörige, aber sie müssen ernst genommen werden. Der Betroffene spricht diese Gedanken nicht aus Überzeugung sondern im Rahmen der Erkrankung aus. Ein Arzt und im Notfall auch die Polizei können den Betroffenen vor einer Kurzschlusshandlung bewahren. Sie müssen eingreifen bei entsprechenden Äußerungen!